Mi, 10. Februar 2010 – 22:42:39 . Bereits 103x gelesen
Ich stehe jeden Tag vor dem Einkaufszentrum. Nicht etwa weil mir langweilig ist, nein, ich stehe da an meinem kleinen Kiosk und verkaufe Zeitungen. Vor allem Tageszeitungen an die anderen Arbeitenden und Managermagazine an Leute die sich für wichtig halten. Die mit Krawatte und so. Vielleicht ist auch der ein oder andere Manager drunter, aber wenn alles Manager sind, arbeitet bald niemand in dieser Stadt. Aber eigentlich will ich euch nicht von meiner Arbeit erzählen, das ist alles viel zu normal.
Ich möchte euch viel mehr von dem erzählen was ich so jeden Tag sehe oder besser gesagt das eine was ich sehe.
Und zwar Sie!
Ich sehe sie täglich wie sie leichten Fußes die Straße entlang läuft, die Fußgängerampel betätigt und dann über die Straße geht. Nichts kann ihre Laune trüben habe ich manchmal das Gefühl. Meistens hat sie ein lächeln auf den Lippen. Ob nun die Sonne scheint, es regnet oder es stürmt, sie lächelt immer.
Mich und meinen Zeitungsstand hat sie wohl noch nie wahr genommen. Sie läuft immer sehr zielstrebig auf die Ampel zu. Schaut nicht links und nicht rechts. Schaut eigentlich nirgendwo hin.
Dafür schaue ich ihr jeden Tag hinterher. Dieses Lächeln, dieses Glück, diese Leichtfüßigkeit. Es gibt keine schönere Frau als eine glückliche.
Am Anfang habe ich mich immer weg gedreht damit Sie nicht sieht das ich sie regelrecht anstarre, aber irgendwann habe ich festgestellt das sie es nicht stört. Bisher hat sie meinen Blick auch noch nie erwidert. Sie lächelt einfach nur und läuft auf die Ampel zu.
Letzten Donnerstag war aber alles anders. Die Ampel war auseinander gebaut und lag hinter einer Absperrung. War wohl irgendwie kaputt. Da lief sie auch wieder darauf zu doch als die Absperrung und nicht die Ampel da war, wirkte sie verwirrt und drehte sich etwas hilflos herum. Ich nahm allen meinen Mut zusammen und ging auf sie zu. Zuerst bemerkte sie mich nicht doch dann drehte sie sich genau in meine Richtung und begann wieder zu lächeln.
In meinem Hals bildete sich ein riesiger Klos. Meine Schritte wurden von entschlossen, immer langsamer bis man meinen Schritten selber anmerken konnte das ich unsicher war, aber irgendwie haben mich meine Füße doch in ihre Nähe getragen.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich hatte Angst zu stottern.
“K… Ka… Kann ich Ihnen behilflich sein”, stotterte ich los.
Sie lächelte mich immer noch an und schaute dabei wie immer an mir vorbei. “Aber Sicher! Die Baustelle ist neu für mich”, antwortete sie mit einem fröhliche Unterton. Sie nahm ihren Blindenstock in die andere Hand und reichte mir die rechte. Ich nahm die Hand und führte Sie über die Ampel.
Mein Herz tanzte, in meinem Magen hatte ein Flughafen eröffnet und sie lächelte wieder.
“Wie heißen Sie?”, fragte sie mich als wir auf der anderen Straßenseite waren. Ein schüchternes “Maximilian” entwich mir. “Ihnen gehört doch der Zeitungsstand vor dem Einkaufszentrum, oder?” Ich war völlig verwundert. Noch bevor ich etwas sagen konnte meinte sie nur: “Ich bin vielleicht blind, aber sehe doch meistens mehr als Menschen mit funktionierenden Augen.”
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